Das Wechselkennzeichen 2011

Das Wechselkennzeichen für Kraftfahrzeuge, das es zum Beispiel schon in der Schweiz gibt, soll ab Sommer 2011 auch in Deutschland eingeführt werden. Danach wäre es möglich, auf ein Nummernschild bis zu drei Fahrzeuge anzumelden. Die Intention zielt unter anderem auf die Elektromobilität. So wäre es möglich, für kurze Fahrten in die Stadt das Elektroauto zu nutzen, für längere Touren hingegen den spritgetriebenen Wagen. Versichert und versteuert sollte dann nur noch das Auto mit der höchsten Typklasse werden. Jedoch an diesem Punkt scheiden sich die Geister.
Der Finanzminister besteht bislang auf der gesonderten Besteuerung jedes Fahrzeugs, und der Gesamtverband Deutscher Versicherer (GDV) würde zwar einem neuen System individueller Tarife für jedes Fahrzeug mit Wechselkennzeichen zustimmen, lehnt aber eine Versicherung ausschließlich über das Fahrzeug mit der höchsten Typklasse ab. Man rechnet hier mit etwa 5% weniger Einnahmen bei der "reinen" Lösung, wirklich nur ein Fahrzeug zu versichern. Die Autofahrer hingegen favorisieren das Wechselkennzeichen, Acht von Zehn Befragten sind dafür, nur Einer ist wirklich dagegen.

Profitieren würden von dem Wechselkennzeichen Kraftfahrer, die tatsächlich individuell mit mehreren Fahrzeugen abwechselnd unterwegs sind, etwa wenn eines der Autos ein Cabrio ist. Familien, in denen mehrere Beteiligte gleichzeitig einen Wagen nutzen, hätten nichts davon.
Sollte sich die Regelung durchsetzen, dass trotz Wechselkennzeichen mehrere Autos gleichzeitig besteuert werden, aber nur jeweils eines davon genutzt werden kann, wäre die Regelung für Autofahrer höchst unattraktiv. Wenn also Wolfgang Schäuble (CDU) an seinen Plänen für die Extrabesteuerung jedes Fahrzeuges festhält, könnte das das Aus für das Wechselkennzeichen bedeuten, so wird jedenfalls in Parlamentskreisen spekuliert. Für die Versicherung nur eines Wagens hatte die ADAC-Versicherung bereits einen Tarif konstruiert, der womöglich vorläufig in der Schublade bleibt.

Die Sicht des Finanzministers könnte unter Umständen zu kurz greifen. Denn beim IFA (Institut für Automobilwirtschaft) hatte man errechnet, dass mit Einführung des Wechselkennzeichens wahrscheinlich bis zu 90.000 Neuwagen jährlich neu verkauft worden wären, was die Steuermindereinnahmen kompensiert hätte. Die Dekra hatte diesbezüglich eine Umfrage unter 1800 Autofahrern gestartet. 37% der Befragten nannten es "sehr wahrscheinlich", sich mit Einführung des Wechselkennzeichens ein zweites Fahrzeug zuzulegen, nochmals 37% gaben diese Option mit "eventuell" an.